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Beleidigt

In meinem Buch Hilfe ohne Mitleid habe ich mich auch den sogenannten “Gurus” gewidmet. Darunter verstehe ich die Lehrer einen Philosophie oder Religion, die ihren Anhängern ein besseres Leben versprechen. Zu ihnen gehört auch Rudolf Steiner. Der inzwischen verstorbene Psychiater Dr. Wolfgang Treher hatte sich die Aufgabe der geistigen Unabhängigkeit vieler Menschen zu seinem Lebensthema gemacht und u.a. die Texte des Begründers der Anthroposophie analysiert. Das überzeugende Ergebnis ist, dass Steiner an einer Schizophrenie litt. “Steiner hat während eines England-Besuches der schizophrene Blitz getroffen”, war sich Treher in einem Gespräch mit meiner damaligen Zeitung sicher. In der Tat bestätigen unabhängige Zeitzeugen, dass Steiner nach seiner Rückkehr einen deutlich wesensveränderten Eindruck hinterlassen habe.

Ich kenne keine Anthroposophen, der bereit war, sich mit den Thesen von Treher auseinanderzusetzen. Sein Hauptwerk “Hitler, Steiner, Schreber” habe ich in der Regel ungelesen zurückgeschickt bekommen. Aktuell habe ich wieder den kritischen Vorwurf an mich gelesen, Steiner aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. Warum diese ausgeprägten Abwehrmechanismen? Warum ist es so schwer, sich mit schizophrenen Schüben von Steiner vertraut zu machen, die sich überzeugend in seinen Texten widerspiegeln?

Diese Haltung stört mich insofern, weil sie einen Schatten auf die Betreuungsleistung in den eigenen anthroposophischen Behinderten-Einrichtungen und Waldorfschulen wirft.

25 Jahre EPPENDORFER

Noch weitere 25 Jahre?

Als ich 1986 die erste Ausgabe der psychiatrischen Zeitschrift DER EPPENDORFER herausgab, konnte ich natürlich nicht ahnen, dass mich diese kleine Zeitung voraussichtlich überleben wird.

Wie es anfing

1981 gründete ich das KOOG-HAUS in Brunsbüttel als sozialpsychiatrische Wohngemeinschaft für psychisch kranke Menschen. Fast elf Jahre lebte ich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern in der 1904 erbauten ehemaligen Arztvilla in der Brunsbütteler Koogstraße zusammen.

Stand der Dinge

Die Schleswig-Holsteiner Psychiatrie befand sich während der 70er Jahre noch in einem zaghaft beginnenden Reformprozeß, als ich mit der Leitung eines psychiatrischen Alten- und Pflegeheimes beauftragt wurde. Das zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehörende “Bergheim” in Boostedt bei Neumünster gehörte zu den neu entstandenen Heimen, die auch für eine Aufnahme der bisherigen Langzeitpatienten aus den Landeskrankenhäusern vorgesehen waren. Wenig im Fokus der Fachwelt und der Öffentlichkeit standen weitere Großeinrichtungen in Kropp, Ricklingen undLübeck, die sich alle in kirchlicher Trägerschaft befanden. Eine sinnvolle Gesamtplanung seitens des Sozialministeriums gab es nicht; umso mehr wurde stets ein “Wildwuchs” an entstehenenden neuen Einrichtungen beklagt. Selbstverständlich erkannten Privatleute und Wohlfahrtsverbände die Chance, sich selbst einen Teil von dem neu zur Verteilung anstehenden Psychiatrie-Kuchen abzuschneiden. Obwohl das Ende der Landeskrankenhäuser in ihrer ursprünglichen Bedeutung absehbar war,  wurde weiter investiert, als gebe es kein Morgen.

Zwar hatte ich früher einige Vorlesungen zum Thema Psychiatrie gehört, aber nicht damit gerechnet, dass ich schon während des praxisbezogenen Unterrichts meine späteren Patienten zu sehen bekam, deren Schicksal sich mit meinem 26 Jahre und darüber hinaus verbinden sollte. Kurzum, ich hatte wenig Wissen, ließ es mir aber nicht anmerken.

Eigentlich hatte ich ein gutes Leben als Bergheim-Leiter; aber wie immer, drängte es mich bei der Aussicht auf endlos routinierte Abläufe nach einem radikalen Neubeginn. Als Heimleiter aus der Basisarbeit herausgewachsen, wollte ich mich genau damit einmal wieder richtig fordern und deshalb etwas Neues anzufangen. Das sollte dieses Mal das KOOG-HAUS mit meinem Beitrag zu einer besseren Psychiatrie sein.

Verbreitete Unwissenheit

Das tägliche Zusammenleben mit in der Regel psychisch erkrankten Erwachsenen erwies sich durch die hautnahe Praxis als Crash-Kursus zur Erlangung des notwenigen Wissens für meine weitere berufliche Zukunft. Gleichermaßen fiel mir aber folgendes auf: 1820 wurde das erste Landeskrankenhaus im damaligen dänischen Schleswig von einem berühmten und tüchtigen Baumeister (Hansen) erbaut und von einem therapeutischen Impetus getragen, nach dem auch heute noch lange gesucht werden muß. Die “Irren” führten zu der Zeit überall ein entbehrungsreiches und diskriminierendes Leben. So war es dem ersten Direktor Peter Willers Jessen (1820 - 1844) zu verdanken, dass dieses neue Krankenhaus über eine Umlage aller Gemeinden finanziert werden sollte. Mit diesem Verwaltungsakt wollte er erreichen, dass die Gemeinden ihre Kranken nach Schleswig in eine bessere Behandlung geben, schon allein deshalb, weil sie ohnehin schon dafür bezahlten. Ich erwähne es deshalb, weil sich damit das psychiatrische Wissen überwiegend auf die Landeskrankenhäuser und andere Großkrankenhäuser über lange Zeit  konzentrierte. Offensichtlich hat niemand während des unorganisiert ablaufenden Reformprozesses an die Transformation der vorhandenen Erfahrungen gedacht.

So viel mir immer häufiger auf, dass die Abwertung der Landeskrankenhäuser und die erklärte Absicht, nun alles besser machen zu wollen, schon als therapeutisches Konzept galt. Das erinnerte mich an die ersten therapeutischen Versuche in den Hamburger Drogenkollektiven Anfang der 70er Jahre, als viele der Initiatoren fest daran glaubten, dass die Ursache der Drogensucht gesellschaftlicher Art sei und die Veränderung der “gesellschaftlichen Zustände” schon allein das Suchtverhalten zum Verschwinden bringen würde. Mit dem kritischen Blick auf die Landeskrankenhäuser haben sich nun manche neuzeitlichen psychiatrischen Berufsgruppen konzeptionell jahrelang gut über Wasser halten können. Da bin ich mir sehr sicher.

Dazu fällt mir ein originelles Beispiel ein: Die Mitarbeiter einer Einrichtung eines großen Wohlfahrtsverbandes erklärten mir, dass sie jedes Wahnbild eines an einer akuten Psychose erkrankten Bewohners “mitspielen” würden. Das war für mich ein so bedeutsamer therapeutischer Fauxpas, dass ich nun nicht mehr länger an eine Zeitschrift denken, sondern sie auch endlich machen wollte!

Warum heißt der EPPENDORFER EPPENDORFER?

Natürlich habe ich vom zeitlichen Ablauf erst einmal die Organisation der Zeitschrift besprochen und mir dann einen Namen überlegt. Vermeiden wollte ich typische Namen, die unmittelbar mit der Psychiatrie in Verbindung gebracht werden, aber doch etwas über die medizinische Kompetenz zum Ausdruck bringen. Da fiel mir der Eppendorfer ein, ein bekannter Arzkittel. Der inzwischen berühmte Brunsbüttler Künstler Jens Rusch malte sogleich eine Vignette, einen Nervenarzt als Comicfigur.

Das erste Layout zeige ich äußerst ungern. Hier sehen Sie, warum.

Der Eppendorfer

 Spontane Gründung

Warum in der ersten Ausgabe von einer einjährigen Vorbereitungszeit die Rede war, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich erinnere mich, morgens an meinen Schreibtisch gesessen zu haben und dabei zu überlegen, wie sich das Zeitungsprojekt realiseren ließe. Kurzentschlossen setzte ich mich auf mein Fahrrad und fuhr in die Redaktion der Brunsbütteler Rundschau, um den Redakteur Hans-Jürgen Kany um Rat zu fragen. Diese ermuterte mich sofort, die Zeitung zu machen und versprach, bei Bedarf zu helfen. Das waren vielleicht fünf Minuten und dann ging es los.

Woher die Themen nehmen?

Je näher der Termin zur aktiven Vorbereitung näherrückte, umso mehr wuchsen bei mir die Befürchtungen, ausreichend Themen zu finden. Deshalb sollte der DER EPPENDORFER vierteljährlich erscheinen, so dass genügend Vorlauf für jede Ausgabe vorhanden sein müßte.

Erschwerend kam hinzu, dass dieser aus der Taufe gehobene Zeitungsprojekt kritisch beäugt wurde. Was soll das schon wieder, wird diese kleine Postille überhaupt eine Zukunft haben usw., usw.

Zur ersten Ausgabe reisten wir auf meinen Vorschlag hin in die Landesgeschäftsstelle des Paritätischen in Kiel, um eine Grundsatzdiskussion über die Psychiatrie-Reform zu führen. Teilnehmer waren Bewohner aus dem KOOG-HAUS, die in der Psychiatrie bekannte Christel Achberger vom Landesverband und Günter Ernst-Basten, heute Landesgeschäftsführer und früher Geschäftsführer der Brücke gGmbH. Beide hatten sich dankenswerterweise für dieses Gespräch zur Verfügung gestellt. Schon in der zweiten Ausgabe zeigte sich die dünne journalistische Personaldecke . Im Namen des EPPENDORFER hatte ich zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Neuroleptika-Behandlung nach Brunsbüttel in die “Traube” eingeladen. Circa 120 Teilnehmer waren aus Schleswig-Holstein und Hamburg angereist. Wenige Tage später gab mir die mit dem Schreiben beauftragte Journalistin ihre unleserlichen Notizen mit der Bemerkung zurück, sie könne das Thema nicht bearbeiten, weil sie es nicht verstanden habe. So schrieb ich selbst einige Zeilen, die natürlich niemals ausgereicht haben.

Kany geht, Tange kommt

Kany hatte jetzt seine Zeitungsstelle gekündigt, um sich zu verselbständigen. Deshalb hatte er keine Zeit mehr, den EPPENDORFER zu begleiten. Er empfahl Kai H. Tange, der gerade das erste Staatsexamen als Jurist in Passau abgelegt hatte und ausgebildeter Journalist war. Tange brachte die Zeitschrift journalistisch voran, und ich wurde sein am längsten ausgebildeter Volontär.

Tange ist heute Rechtsanwalt mit eigener Praxis in Heide und Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes im Kreisverband Dithmarschen.

Was wollte ich bewirken?

Die Zeitschrift EPPENDORFER sollte informativ das ganze Spektrum Psychiatrie umfassen. Betroffene, Angehörige und Profis jeglicher Coleur sowie interessierte Bürger und Vereinigungen sollten eine Plattform zum Austausch erhalten. Gleichzeitig plante ich natürlich,  das Blatt als Arbeitsprojekt in die Arbeits- und Ausbildungsprogramme des KOOG-HAUSES einzubinden.

Inhaltliche Ausrichtung

Als “Überzeugungstäter” kam es mir besonders darauf an, einige Themen wiederkehrend zu behandeln. Dazu gehörte die sinnstiftende Neuroleptika-Behandlung, ohne die eine moderne Psychiatrie nicht möglich ist. Weiter gehörten die Bereiche Arbeit und Ausbildung dazu und eine generelle Aufklärungsarbeit zur Ursachenforschung der Psychose. Weiter hielt ich auch die Behandlung der gängigen therapeutischen Mythen für eine kontinuierlich wichtige journalistische Aufgabe.  Als Beispiel nenne ich den Unfug über die “schizophrenogene Mutter” und die Behauptung, dass “Genie und Irrsinn” naturgemäß eine Symbiose eingehen. Der Platz reicht nicht aus, um alles Veranstaltungen, Themen und vor allem menschliche Begegnungen hier zu erwähnen. Diese finden Sie ausführlicher in meinem Buch Hilfe ohne Mitleid.

Zehn Jahre EPPENDORFER - eine Bilanz

Nach zehn Jahren anstrengender Zeitungsarbeit stellte ich die Herausgabe ein. Dazu waren zwei Gründe entscheidend: Die Kosten waren durch die zunehmende Professionalisierung erheblich gestiegen und ließen sich nicht durch Abonnenten und Anzeigen nur annähernd wieder hereinbekommen.  Außerdem hatte ich den Eindruck,  mein ursprüngliches informatives Ziel erreicht zu haben: Alles Wesentliche war gesagt worden und vieles als selbstverständich in die tägliche Psychiatrie-Arbeit eingeflossen. Damit war ich zufrieden und unsere bisherigen Leser anscheinend auch, bis auf einen: Anläßlich eines Besuches in Brunsbüttel bat mich der Psychiatrie-Referent des Kieler Sozialministeriums anläßlich eines Besuches darum, als Ersatz für den EPPENDORFER  ein “Informationsblatt” herauszugeben.  Zu diesem Rückschritt hatte ich keine Lust, wohl aber an einer Weiterentwicklung des eingestellten EPPENDORFER. Mir schwebte eine “richtige Zeitung” im Offsetdruck vor. Sie sollte monatlich im “Berliner Format” mit regionalem Bezug zu Schleswig-Holstein erscheinen. Wir wollten die Zeitung am PC bis zur Druckvorstufe selbst layouten, um nicht wieder in die Kostenfalle zu laufen. Dr. Benedikt Müller-Lucks wünschte sich ein Erscheinen der neuen Zeitschrift mindestens bis 2004. Bis heute habe ich nichts über die Bedeutung dieses Jahres für den Psychiatrie-Referenten erfahren können. Vereinbarungsgemäß besorgte Müller-Lucks die Finanzierung der teuren Computer und Programme sowie einer eindrucksvoll großen Digitalkamera aus Mitteln der Hauptfürsorgestelle. Insgesamt handelte es sich um eine Investition von 50.000 DM, deren Bewilligung dank einflußreichen Engagements geräuschlos über die Bühne ging, was für mich zwar ungewohnt war, aber meinen Erwartungen entsprach.

Der EPPENDORFER - meine persönliche Bilanz

Die journalistische Tätigkeit und die gestaltende Arbeit als Herausgeber waren für mich ein entscheidendes und einmaliges fachliches Bildungsprogramm.  Der EPPENDORFER öffnete vieleTüren, die sonst für mich verschlossen geblieben wären.

Für meine Einrichtung KOOG-HAUS und auch für mich bedeutete sie ein Imagegewinn und eine häufige Präzenz auf vielen Veranstaltungen, wo sich immer dieselben “Nestflüchter” trafen. Damit bezeichnete ich immer die Profis, die auf jeder Fortbildung zu treffen waren und offensichtlich immer auf der Flucht vor ihren Patienten waren. Ein häufiges Phänomen, das bisher meines Wissens nicht untersucht wurde!

Zwar habe ich mich von Müller-Lucks noch einmal an mein journalistisches Portepee fassen lassen, inhaltlich war ich aber nicht mehr dabei, weil die Zeitung zwar jetzt optisch deutlich aufgewertet, aber inhaltlich nur ein besser aufgemachtes Informationsblatt war.

Ich hätte die Zeitschrift gerne folgerichtig zu einer wirklich kritischen Zeitschrift entwickelt. Dagegen sprachen zwei Gründe: Mir war immer bewußt, dass der EPPENDORFER selbst Teil des Systems ist und außerdem noch in einer psychiatrischen Einrichtung produziert wird. Über diese Gratwanderung war ich mir immer im Klaren,  und sie schränkte natürlich auch meine journalistischen Inhalte ein. Zum Beispiel hätte ich nie Pannen im KOOG-HAUS an die Öffentlichkeit getragen, auch nicht die von grundsätzlicher Bedeutung, die sich für eine öffentliche Diskussion angeboten hätten. Der zweite Grund ist allgemein-praktischer Natur. Um diesen Anspruch zu verwirklichen, bräuchte es einen neuen Journalisten-Typus und eine bessere Ausstattung, um die notwendige Recherche-Arbeit zu betreiben. Daraus ist nun nichts mehr geworden.

Perspektiven

Die interessanteste, sinnvollste und aufregendste Zeit waren sicherlich die ersten zehn Jahre. Dabei hätte ich es belassen sollen, ein reines Informationsblatt gibt keinen Sinn, zumal es subventioniert ist.

Wäre ich heute noch Eigentümer des Eppendorfer, hätte ich schon lange eine elektronische Ausgabe kreiert. Das Netz bietet heute bessere Gestaltungsmöglichkeiten, bringt verschiedene Medien (Wort, Bild, Ton, Film) zusammen und ist immer aktuell. Übrigens wurde ich durch die Neuauflage des EPPENDORFER erst gezwungen, mich mit PC und Internet zu beschäftigen. Dafür bin ich heute noch dankbar!

Abschied: Letzte Ausgabe als Herausgeber. Im Hintergrund symbolträchtig Oskar Panizza (Gemälde Jens Rusch)

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Der lange Weg in die KITA

 Während der 70-er und folgenden Jahrzehnten habe ich in der Wohlfahrtspflege gearbeitet. Die Systematik und politische Plausibilität mancher Ereignisse sind mir erst sehr viel später aufgefallen.

Dazu gehörte auch die während der sogenannten 68-er Jahre geführte Diskussion über Kindergärten als eine Art Vorschule. Heute sind wir einige Schritte “weiter gekommen”: Auch 0-3jährige sollen einen Rechtsanspruch auf einen KITA-Platz erhalten. Damit dieser auch genutzt wird, sollen ganz oder teilweise die Leistungen aus Steuermitteln bezahlt werden.

Sieg des kollektiven Erziehungsmodells

Offensichtlich findet  niemand etwas dabei, Babys schon frühzeitig von ihren Müttern zu trennen und fremden Personal in der KITA anzuvertrauen. Bis auf Eva Herman. Die prominente TV-Moderatorin und Verfasserin verschiedener Bücher und Beiträge zum Thema schrieb gegen den Mainstream und musste nun leidvoll erfahren, welche gewaltigen Kräfte ihre Kontrahenten entfesseln können.

In ihrem neuesten Buch Die Wahrheit und ihr Preis legt sie im Einzelnen den Ablauf der Ereignisse über die Medienkampagne gegen sie und ihre Folgen dar. Ausführlich protokolliert Herman die TV-Sendung Johannes B. Kerner, die sie vor dem vorgesehenen Ende verlassen musste. Diese Sendung habe ich gesehen. Sie war beschämend für den Moderator und seinen Gästen, die sich als Staffage zur Verfügung stellten. Wahrscheinlich wussten zu diesem Zeitpunkt schon alle um die persönlichen Gefahren, die aus einer Solidaritätsadresse mit der angegriffene Autorin entstehen werden.

Eva Hermann wurde aus dem elitären Kreis der prominten Medienvertreter dauerhaft entfernt, obwohl sie recht hat.

Der lange Weg in das pädagogische Kollektiv

1969/1970 beschäftigten wir uns am Hamburger Sozialpädagogischen Institut auch mit den Fragen der Reformpädagogik.

Infolge der einsetzenden fachöffentlichen Diskussionen über die Frage, ob der “frühkindliche unberührte Garten pädagogischer Einflussnahme” weiterhin “ungenutzt” bleiben sollte, erhielt ich den Auftrag, Literaturrecherche zu betreiben. Als Ergebnis meiner Arbeit sollte daraus ein Referat zum Thema “Für und Wider einer Vorschulerziehung” entstehen. Gemeint war das Anliegen der Reformer eine für die frühkindlichen Lebensjahre nutzbringende Einrichtung zu schaffen. Diese sollte die Zeit bis zum regulären Einschulalter von sechs Jahren mit pädagogischen Programmen ausfüllen. Als Begründung wurde die bekannte Parole “bessere Bildungschancen und -gerechtigkeit für alle Kinder” ausgegeben.

Die Literatur war noch nicht sehr umfangreich. Sie umfasste neben einem historischen Überblick und die Beschreibung bereits bekannter Modelle (zum Beispiel Fröbel, Montessori, Steiner) wenig neues zum Thema. Noch war es nicht zu einer medienbefeuerten Massenbewegung gekommen und stellte auch kein breites öffentliches Thema dar.

Beruf: Hausfrau und Mutter

Diesen Beruf, der heute keine Anerkennung mehr findet, aber dafür Kritik und Schmähungen ausgesetzt ist,  übte meine Mutter genauso selbstverständlich aus, wie auch Millionen andere Frauen ihrer Generation.

Heute bin ich meinen Eltern dankbar. Auch dafür, das ihre Ehe lebenslang Bestand hatte und die Familie einen stets verlässlichen Ort hatte, wo alle willkommen waren.

Natürlich gab es früher schon Kindergärten. In meiner Clique der 50-er Jahre ging nur ein Kind morgens mit seiner geschiedenen, berufstätigen Mutter aus dem Haus in den Kindergarten Grasweg/Barmbeker Straße. Damit fiel er als verlässlicher Spielkamerad aus und ihm selbst blieben unsere gemeinsamen Erlebnisse verborgen. Kurioserweise ist es heute umgekehrt. Kinder treffen sich fast nur noch im Kindergarten, weil es im eigenen Wohnbereich mehr Alte und Kinderlose als Nachwuchs gibt

Zu dem umzäunten Kindergarten mit den weißbekittelten “Tanten” hatte ich kein Verhältnis. Die Institution war mir fremd, und ich hatte auch nicht das Bedürfnis, dem damals streng reglementierten Schulalltag noch einen Nachmittag mit ähnlicher Enge anzuhängen. Lieber ging ich einige Schritte weiter zum Tennisbälle sammeln, spielen im Stadtpark, rudern oder schlittschuhlaufen auf den Kanälen und der Alster, schwimmen im Stadtparksee oder im Freibad Lattenkamp… immer in Gesellschaft von Kindern ohne erwachsene Aufsicht oder Begleitung!

Erste zaghafte Reformprojekte

Neben den theoretischen Überlegungen zur Reform der Pädagogik mit dem Ziel ein besseres Bildungsergebnis zu erzielen und das Lernen freundlicher und freudiger zu gestalten, entstanden auch die ersten praktischen Modelle als Beiträge zu einer neuen frühkindlichen Pädagogik. Ein Hamburger Kommilitone hatte sich als Sozialunternehmer mit einem Kinderladen selbständig gemacht, den wir besichtigten. Wie zu der Zeit üblich, bestand ein Hauptbestandteil der Konzeption auf den Verzicht jeglicher Autorität. Ob das reichte?

Zurück zu meinem kleinen Referat: Natürlich plädierte ich für eine Beibehaltung der bisherigen Regelung, den Kindern die unbeschwerten Jahre bis zur Einschulung zu lassen.  Meine frühkindliche intuitive Ablehnung staatlicher und kollektiver Erziehungsprogramme hat sich nicht nur bis heute erhalten, sondern auch ausgeweitet und verfestigt.

Die anschließende Diskussion zu meinem kurzen Statement zeigte mir aber schon meine Minderheitenmeinung. Natürlich habe ich mir zu der Zeit nicht vorstellen können, welche politische Dominanz dieses Thema bekommen sollte.

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KITA - Schaden für die Kinderseele

Anfang der 60-er Jahre bewegte die kommunistische Regierung in der Tschechoslowaki die zu geringe Inanspruchnahme der staatlichen Kindertagesstätten. “Nur” 25 Prozent der Kinder wurden von ihnen betreut. Um Gründe für eine breitere Zustimmung zu erhalten, beauftragten sie den Kinderpsychologen und Forscher Professor Zdenek Matejczk mit einer Untersuchung. Mit dem Ergebnis  wollte man sich  Aufschluss über die erwarteten Vorzüge  der Fremderziehung verschaffen.

Matecjzk fand aber heraus, dass durch die kollektive Erziehung aufgrund fehlender konstanter Bezugspersonen die Grundlage für schwerwiegende psychische Entwicklung gelegt wird. Selbstverständlich verzichtete die Regierung auf eine Veröffentlichung. Dieser Film mit dem Titel “Kinder ohne Liebe” gelang jedoch in den Westen und wurde während des Filmfestivals 1963 in Venedig aufgeführt. Er erhielt drei Auszeichnungen, allein schon deshalb, weil mit diesem Film die  freie Welt die kollektive Erziehung anprangern konnte. Jetzt sind wir selbst dort angelangt und niemand fällt mehr darüber, weil uns unsere Propaganda jetzt sagt, dass frühe Bildung nur von Nutzen sein kann.

Dieser schwarz-weiß Film ist auch heute noch erhältlich. Er beweist mit filmischen Mitteln die unbedingte Schädlichkeit der KITAS für Kleinkinder!

Experten?

Wer jetzt trotz der eindeutigen Erkenntnisse sein Kleinkind fremdbetreuen lassen will oder muss, sollte sich einmal weitere Gedanken über das Personal der KITA machen. Während meiner Zeit als Sozialunternehmer habe ich keine Erzieher eingestellt, weil ihre Ausbildung unzureichend ist. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass auch KITA-Erzieher dazu neigen, Kompetenzen vorzugeben, über die sie auf keinen Fall verfügen können. Damit meine ich der Versuchung zu erliegen und zu diagnostizieren und damit das Risiko von falschen Ratschlägen einzugehen. Ich weiß die verständliche berufliche Selbstüberschätzung  richtig zu bewerten, aber wissen das auch alle Eltern?

Diese für ihre Aufgabe unzureichend  ausgebildete Berufsgruppe soll nun mit der Schule und derem Personal zusammenarbeiten und über das Schicksal von Kindern und ihren weiteren Lebensweg mitentscheiden?

Natürlich müssten die Mitarbeiter einer KITA mindestens einen Fachhochschulabschluß vorweisen können! Bis es soweit ist, sollten als Leitung nur Hochschulabsolventen eingestellt  und externe Einzel-Supervision als Pflichtveranstaltung  eingeführt werden. In dieser Stunde wird der heute noch unreflektierte tägliche Handlungsteil aufgearbeitet.

Des weiteren sollte es zur Pflicht werden, erzieherische Maßnahmen zu dokumentieren.

Der zur Zeit übliche Personalschlüssel je Kind ist vollkommen inakzeptabel. Zum familiären Vergleich: Hier beträgt der formale Personalschlüssel 1:1 und außerhalb der Arbeitszeiten 2:1. bei einem Kind. Und das an 365 Tagen rund um die Uhr.

Warum nun ein realer Personalschlüssel für Krippenkinder 1:9 ausreichen soll, verschließt sich jeglicher rationaler Überlegung.

Unbedingt: Hände weg von 0-3jährigen! Am besten wäre es, die Kinder wieder bis zur regulären Einschulung im Elternhaus zu lassen.

Zum Schluß noch einmal Eva Herman

Frau Hermann wurde von den Medien hart angefasst und bezahlt ihre Überzeugungen mit einem hohen Preis. Aus der Sicht ihrer Gegnerinnen und Gegner musste sie aus der Öffentlichkeit vertrieben werden. Sie ist eine der wenigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich an die Spitze einer dringend notwendigen Bewegung stellen könnte, um das Bild der Mutter und der Familie wieder aufzuwerten. Alice Schwarzer und ihre Verbündeten hätten möglicherweise noch erleben dürfen, wie ihr Weltbild in den Orkus gespült wird. Da gehört es nämlich schon lange hin.

Nun wurde Herman mittels einer untergeschobenen geistigen Verbindung  zur Familienpolitik des Nationalsozialismus der Garaus gemacht. Diese Strategie hat für mich den Charakter einer paradoxen Intervention. Nicht Herman vertritt diktatorische Denkmodelle, sondern ihre Gegner.  Zum Beispiel stammt die heute vielgepriesene Schulpflicht aus dem Jahre 1938 mit der Verabschiedung des Schulpflichtgesetzes. Selbstverständlich gehört zu einer Diktatur auch eine staatlich verordnete kollektive Erziehung. Deutschland ist es in 65 Jahren (!) nicht gelungen, sich von diesem Überbleibsel der Diktatur zu befreien.

Herman weist zu recht auf die Gewissenlosigkeit der nationalsozialistischen Erziehung hin, die inhaltlich von der Autorin des Grundlagenwerks “Reichsmütterschulung”, Johanna Haarers,  bestimmt wurde. Von ihrenVorstellungen habe ich noch durch meine Eltern erfahren: Kinder solle man schreien lassen, wurde ihnen von den Beratungsstellen eingebleut. Dieser kinderfeindliche Unsinn wurde natürlich nicht mit dem Tag der Kapitulation abgeschafft, sondern an weitere Generationen vererbt.

Die Gewissenlosigkeit war auch Bestandteil der Krippenpolitik der DDR und ist vergleichbar mit der heutigen Absicht, jeden 0-3jährigen in eine öffentliche Institution zu lotsen. Quasi von Geburt an, sollen in Zukunft alle Kinder in “staatliche Obhut” kommen und indoktriniert werden.

Gleichheitsfeminismus, Frauenbevorzugung als großes Geschäft und das Gender Mainstreaming “als Querschnittsaufgabe” gehören abgeschafft! Sie sind die geistige Grundlage für Familienzerstörung, Kinderfeindlichkeit und Geschlechterkampf.

Dieses ständige Reinreden und die Einflußnahme  in die ursprünglichen Elternrechte muss ein Ende haben! Nur -  wer soll das herbeiführen?

Uwe Böttjer

Griechenland - ein Spiegelbild

 Zur Zeit sind die Medien voll mit kritischen Beiträgen zur Konsumlust der Griechen. Das ginge uns eigentlich nichts an - wenn nicht unsere Politiker den Euro eingeführt hätten und Deutschland jetzt mit weiteren Finanzierungshilfen versucht, Griechenland wieder auf die Beine zu helfen.

Mit der gemeinsamen Währung hofften unsere Politiker, den Weg in eine politische Europäische Union zu befördern. Aber es gibt noch einen anderen geopolitischen Grund zum Abbau unserer produktiven Wirtschaft: Die Franzosen unter Staatspräsident Mitterand forderten die Einheitswährung als Preis für die Wiedervereinigung.

Mit dem Euro erhielten die bisherigen Länder mit schwachen Währungen Kredite zu denselben günstigen Bedingungen wie Deutschland. Mit diesem “leichten” Geld haben sich nicht nur die Griechen allein Lebensumstände geschaffen, die hierzulande aus verständlichen Gründen Neidgefühle wecken.

Als gemeinsame Basis haben auch wir die Abhängigkeit von Krediten. Jeden Morgen beschafft eine kleine Regierungs-GmbH die täglichen Kassenkredite. Das funktioniert gut, weil die Anleger Deutschland als solventen Schuldenstaat einschätzen.

Seit Adenauers Zeiten wurde kein Kredit komplett zurückbezahlt, sondern es wurden immer wieder neue aufgenommen.

Mit diesem Geld haben wir Wohltaten in alle Welt verteilt und einen Sozial- und Betreuungsstaat aufgebaut. Zusätzlich zu unserer stetig steigenden Zahl von deutschen Hilfeempfängern wurden fremde ungebildete Unterschichten aufgenommen und großzügig alimentiert.

Als besonders schwerer Finanzbrocken erwiesen sich die Kosten der Einheit. Die eindringliche Versicherung unseres Kanzlers, es werde ein sich selbst tragender Aufschwung für Kostenneutralität sorgen, erwies sich einmal mehr als unwahre politisch motivierte Behauptung.

Schon lange vor dieser nun wachsenden Verschuldung wurden die Sozialversicherungsbeiträge als Haushaltsmittel zweckentfremdet verwendet.

Es gab und gibt keine Versicherung. Die sogenannte Rentenversicherung ist ein auf Betrug angelegtes Schneeballsystem, das nur funktionieren kann, wenn genügend Nachwuchs geboren wird. Das Geld ist ausgegeben. Deshalb muss der Staat aus Steuermitteln 30 Prozent zu den Rentenkosten zuschießen. Wir hätten das Geld gehabt für frühe Pensionierung auf hohem finanziellem Niveau. Auch die wenigen unverheirateten Generalstöchter hätten wir selbstverständlich alimentieren können, statt die vielen anderen, denen ich persönlich keinen Cent geben würde.

Insgeheim wissen wir das alles oder ahnen es zumindestens; und das regt uns auf!

Mit den gewalttätigen Reaktionen auf die Einkommenskürzungen von Teilen der griechischen Bevölkerung erhalten wir jetzt auch einen Blick darauf, was uns blühen kann, wenn die bisher bei uns wohlfahrtsstaatlich Versorgten trotz rechtlicher Ansprüche leer ausgehen oder mit weniger auskommen müssen, weil das Geld ausgegangen ist. Dieser Zeitpunkt rückt jetzt immer näher; unabhängig von den anderen schwerwiegenden Faktoren ist die bekannte Ursache unser System der Geldschöpfung durch Kredite und die Geldvermehrung durch den Zinseszins. Schon allein daraus erwächst ein sich näherndes Ende unseres Finanzsystems.

Uwe Böttjer